Rechtswissenschaften Uni Innsbruck

Ein Stern im Grunde noch zu viel…

Max, 29.11.2019

Rechtswissenschaften

Bewertung des Autors
1.3 / 5
  • Studieninhalte 1.0 / 5.0
  • Lehrveranstaltung 1.0 / 5.0
  • Dozenten 2.0 / 5.0
  • Organisation 2.0 / 5.0
  • Ausstattung 1.0 / 5.0
  • Campusleben 1.0 / 5.0
Ich habe Rechtswissenschaften und ein zweites Studium an der Uni Innsbruck, sowie einen Erasmus-Aufenthalt im Ausland absolviert. Ich kenne daher auch andere Studiengänge und Universitäten und muss leider feststellen, dass das Diplomstudium Jus in Innsbruck katastrophal abschneidet und einem sämtliches Interesse an der Materie raubt. – Studienaufbau: Das Studium gliedert sich – ohne ersichtlichen Grund – in drei Teile, wobei die Hauptlast in Teil 1 und 2 liegt. Diese sind äußerst kurz bemessen und in der Praxis kaum in der vorgesehenen Zeit zu schaffen (1.Abschnitt: Einführung+Rechtsgeschichte+Wirtschaft+RömRecht+Strafrecht in 2 Semestern (!); 2.Abschnitt: Bürgerliches/IPR+Verfassung+Verwaltung+Arbeits/Sozial+Unternehmens+ZGV+Finanz+Völker+Europarecht in 4 Semestern?!). Gleich im ersten Abschnitt gibt es mit Strafrecht eine Knock-Out Prüfung, die auch offen so bezeichnet wird, um „auszusieben“. Auch im zweiten Abschnitt hat man ständig das Gefühl, an der nächsten Prüfung endgültig zu scheitern (dieser psychologische Druck wird zumindest in Kauf genommen, wenn nicht sogar von einzelnen Personen bewusst erzeugt). Dafür herrscht im 3. Abschnitt absolute Anarchie, außer Rechtsphilosophie (das sich aus welchem Grund auch immer hier befindet) müssen „nur“ Wahlfächer und die Diplomarbeit absolviert werden. – Prüfungsmodus: Einer der größten Kritikpunkte, der selbst von einigen Professor/innen unter vorgehaltener Hand hinterfragt wird. Prinzipiell gliedert sich das Studium in einige wenige „Monsterprüfungen“, die auch gerne zu Knock-Out Prüfungen stilisiert werden. Didaktisch absolut sinnlos muss z.B. das gesamte Bürgerliche Recht zu einem Prüfungstermin beherrscht werden. Dies führt nicht nur dazu, dass möglichst viel Stoff in möglichst kurzer Zeit ins Kurzzeitgedächtnis geschaufelt wird (und wenige Monate später wieder weg ist), sondern auch zu strategischem „Spritzen“ von Stoff, je nach Prüfer/in. Die schriftlichen Prüfungen sind dabei so aufgebaut, dass sie kaum zu schaffen sind (eine 14-seitige Lösungsskizze für eine 3-stündige Prüfung?!) und maximalen psychologischen Druck erzeugen. Noch schlimmer sind teilweise die mündlichen Prüfungen, bei denen – zumindest in Einzelfällen – gefühlsmäßig willkürlich beurteilt wird. Wenn bei Terminen regelmäßig 90-95% der Kandidat/innen durchfallen, sollte vielleicht das System an sich hinterfragt werden. – Studieninhalte: Am meisten hat mich gestört, dass auf aktuelle Rechtsprobleme de facto nicht eingegangen wird und es keine diesbezüglichen Lehrveranstaltungen gibt. Datenschutz? IT-Recht? IP? Fehlanzeige. Alles nur während meines Aufenthalts im Ausland gelernt. Es ist darüber hinaus kaum eine Schwerpunktsetzung möglich; man muss zwar alles lernen, am Ende bleibt aber nicht viel übrig. Nach dem Studium muss man im Grunde wieder bei Null anfangen und sich eine Expertise aufbauen. Viele VorLESUNGEN entsprechen außerdem ihrem Namen und sind didaktisch sinnlos. In vielen Fällen ist es daher besser, sich den Stoff selber beizubringen. – Wissenschaftliches Arbeiten: Spielt im Studium absolut keine Rolle. Hätte ich nicht aus meinem Zweitstudium bereits entsprechende Vorkenntnisse gehabt (Zitieren, Methoden etc.), wäre ich vermutlich an der Diplomarbeit gescheitert. Es ist schockierend, dass eine Fakultät derart wenig Fokus auf die Publikationstätigkeit von Studierenden legt. Dazu passt jedoch auch, dass die Fachbibliotheken, die sich an jedem Institut befinden, gefühlte 2 Stunden am Tag geöffnet haben und eine Ausleihe von Büchern nicht gestatten! – Studentischer Zusammenhalt: Auch dieser ist im Vergleich zu meinem Zweitstudium als sehr schlecht zu bewerten. Dadurch, dass es kaum Seminare oder andere Kleinveranstaltungen gibt, findet wenig Networking statt. Es herrscht eher ein Konkurrenzdenken zwischen den Student/innen. Einzig positiv muss vermerkt werden, dass es einige wenige (junge) Lehrveranstaltungs-Leiter/innen gibt, die über Praxiserfahrung verfügen und entsprechend motiviert sind. Insgesamt ist das Studium absolut nicht zu empfehlen. Eine Reform des Studienplans und eine komplette Überarbeitung der Inhalte + Evaluierung der Lehrbeauftragten wäre längst überfällig.
Abschluss: Ja

Studienbeginn: keine Angabe

Weiterempfehlung: Nein

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